Geschwisterkinder chronisch Kranker erleben fast zwangsläufig weniger Aufmerksamkeit. Der Alltag der Familie dreht sich primär um das erkrankte Kind. Die eigenen Bedürfnisse und Sorgen der Geschwister geraten dabei unabsichtlich in den Hintergrund. Geschwister übernehmen früh im Haushalt oder bei der Betreuung Verantwortung und zeigen eine hohe soziale Reife, aber zu Lasten ihre Kindheit. Diese stärkere Belastung entwickelt oft Ängste, Schuldgefühle oder depressive Züge, weil sie nicht zur Last fallen wollen. Gleichzeitig entwickeln Geschwisterkinder eine ausgeprägte Empathie, Toleranz und ein starkes Verantwortungsbewusstsein. Ein sehr schwerer und langer Weg für alle Beteiligten. Familie Waeber erzählt aus ihrem Alltag.

„Zu dritt starteten wir gemeinsam in unsere Reha-Zeit: meine beiden Töchter und ich. Wir durften uns für eine onkologische Familien-REHA anmelden – eine Zeit, auf die wir große Hoffnungen gesetzt haben. Meine jüngere Tochter lebt mit einer seltenen Erkrankung und einem Hirntumor. Seit mittlerweile zehn Jahren begleiten uns unzählige Arzttermine, Sorgen, Ängste, Nebenwirkungen und immer wieder die Ungewissheit, was die Zukunft bringt.
In all diesen Jahren ist uns auch bewusst geworden, dass meine ältere Tochter ein sogenanntes „Schattenkind“ ist. Vieles dreht sich zwangsläufig um ihre Schwester, und so muss sie mit ihren eigenen Bedürfnissen und Wünschen oft zurückstecken – sei es bei gemeinsamen Aktivitäten oder bei der Zeit, die wir miteinander verbringen können. Diese REHA sollte uns die Möglichkeit geben, unsere Bindung zu stärken und ganz bewusst Raum für gemeinsame Momente zu schaffen – für Zeit miteinander, ohne Termine, Sorgen und den Alltag, der uns sonst so sehr bestimmt.


Da wir alle drei eine große Leidenschaft für Pferde haben, war die Rehaklinik Tannheim für uns perfekt. Besonders der Therapiestall hat uns begeistert. Das Team des Therapiestalls hat es für uns möglich gemacht, gemeinsam auszureiten. Einmal durften meine große Tochter und ich gemeinsam mit einer Therapeutin einen Ausritt machen – nur wir beide als Mutter und Tochter, begleitet von einem wunderbaren Menschen, der uns diesen besonderen Moment ermöglicht hat.
Dieser Ausritt hat uns beiden unglaublich viel bedeutet. Endlich konnten wir ganz bewusst Zeit zu zweit genießen und etwas gemeinsam erleben, das uns beiden so viel Freude macht. Für einen Moment waren die Sorgen ganz weit weg und es zählte nur dieser gemeinsame Augenblick. Dafür möchten wir uns von Herzen beim gesamten Team des Therapiestalls bedanken. Ihr leistet eine unglaublich wertvolle Arbeit. Ihr schenkt Familien nicht einfach nur Therapiestunden oder Ausritte – ihr schenkt ihnen kleine Inseln des Glücks, Momente der Entspannung und die Möglichkeit, für eine Weile abzuschalten und einfach nur gemeinsam zu sein. Danke, dass ihr genau solche besonderen Momente möglich macht. Sie sind für uns viel mehr wert, als Worte ausdrücken können.
Liebe Familie Waeber – es gibt nichts mehr hinzuzufügen. Viel Erfolg und alles Gute für die Zukunft.
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