Nachsorgeklinik Tannheim

VILLINGEN-SCHWENNINGEN 23. November 2020

Leben mit einer kurzen Zukunft: In der Nachsorgeklinik wird auch das Tabuthema Tod und Sterben angepackt

In der Nachsorgeklinik Tannheim müssen sich viele Patienten auch mit einer verkürzten Lebenserwartung auseinandersetzen.

Jochen Künzel im Gespräch mit dem jungen Mukoviszidose-Patienten Leon (links). Obwohl sich die Behandlungsmöglichkeiten und die Lebenserwartung in den letzten Jahren stark verbessert haben, ist diese Krankheit immer noch lebensverkürzend. Viele Jugendliche möchten sich damit auseinandersetzen, auch wenn es ihnen – wie Leon – aktuell gut geht.
Jochen Künzel im Gespräch mit dem jungen Mukoviszidose-Patienten Leon (links). Obwohl sich die Behandlungsmöglichkeiten und die Lebenserwartung in den letzten Jahren stark verbessert haben, ist diese Krankheit immer noch lebensverkürzend. Viele Jugendliche möchten sich damit auseinandersetzen, auch wenn es ihnen – wie Leon – aktuell gut geht. | Bild: Silke Weidmann

Der junge Mann lebte schon einige Jahre mit seiner Krebserkrankung, ist mit ihr erwachsen geworden. „Eine tolle Persönlichkeit, sonore Stimme, gutes Aussehen, die Frauenherzen sind ihm zugeflogen“, erinnert sich der Psychologe Jochen Künzel. Mehrmals ist er schon in Tannheim gewesen, als er bei seiner letzten Reha sagt: „Künzel, wir beide schreiben jetzt meine Trauerrede.“ Er bat den Psychologen, ihm in den Therapiestunden beim Verfassen der Rede zu helfen, später wollte er ein Handyvideo damit drehen. An seiner Trauerfeier, die er genau plante, sollte dieser Film dann in einem alten Kino gezeigt werden. Als es so weit war, ist Jochen Künzel selbst hingefahren. Der junge Mann hatte es nicht mehr geschafft, die Rede aufzunehmen, der Text aus Tannheim wurde vorgelesen. „Das war schon sehr berührend.“

Oft gibt es keinen passenden Gesprächspartner

Jochen Künzel ist seit 18 Jahren in der Nachsorgeklinik. Er leitet den psychosozialen Dienst. Die bundesweit einmalige Reha für Familien, die ein Kind verloren haben, hat er mit aufgebaut. Sein Beruf sei oft „harter Tobak“, bei dem man aufpassen müsse, dass man nicht zu viel davon mit nach Hause nimmt, sagt er. Wenngleich der Fokus in der Nachsorgeklinik darauf ausgerichtet ist, mit den Patienten Zukunftsperspektiven zu erarbeiten, hätten sie in den psychosozialen Therapien doch immer wieder festgestellt, dass das Thema Tod im Raum steht. Dass die Auseinandersetzung mit Krankheit und Sterben junger Menschen gesellschaftlich stark tabuisiert sei, stelle die Betroffenen vor große Probleme: Sie finden in ihrem Familien- und Freundeskreis oft kaum Gesprächspartner für die Auseinandersetzung mit dem Tod. Doch für viele sei das sehr wichtig. „Manchmal ist es ein letzter Akt der Selbstbestimmung,“ so Jochen Künzel. „Es ist unser Job, zu zeigen: da gibt es keine Tabus, keine No-Gos.“ Oftmals fänden die Betroffenen in der Reha das erste Mal Gegenüber, die dieses Thema „aushalten“.

Letzter Akt der Selbstbestimmung

Vor diesem Hintergrund ist das diesjährige Tannheimer Fachsymposium unter dem Titel „Auch die letzten Schritte brauchen Licht“ im Juni geplant. Das Symposium solle dazu beitragen, den Blick von Fachwelt und Öffentlichkeit für das Thema zu schärfen und gleichzeitig Raum für einen breiten Austausch bieten, so der Tannheimer Psychologe. Am 11. Juni findet der öffentliche Teil in der Neuen Tonhalle in Villingen mit Vorträgen und Informationsmöglichkeiten für Interessierte statt, tags darauf der zweite Teil mit Fachpersonal in der Klinik. Während bei vielen die Vorstellung präsent sei, dass eine Reha vor allem zur Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit diene, solle die Veranstaltung aufzeigen, wie wichtig und hilfreich eine Reha bei ungünstiger Prognose und nur noch kurzer Lebenserwartung sei. Auch bei längerer Perspektive sei eine Auseinandersetzung mit dem Thema Lebensende oftmals gewinnbringend für die Patienten“. 

Jochen Künzel appelliert: „Jeder darf seinen Weg des Umgangs mit dem Thema Tod und Sterben gehen.“ Seiner Erfahrung nach möchte sich nicht jeder offen damit auseinandersetzen. „Aber jeder, der es will, sollte die Personen, Räume und Settings finden, die er dafür braucht.“ Gerade weil die psychosoziale Beratung während der Reha mit den Betroffenen Strategien erarbeite, die ihnen im Alltag helfen, sei es eigentlich nicht relevant, ob dieser Alltag viele Jahrzehnte oder nur noch eine kurze Zeit dauere. Für die meisten Menschen sei Selbstbestimmtheit zu jedem Zeitpunkt wichtig. Auch wenn nur noch die Planung der eigenen Trauerfeier bleibt.Mehr zum Thema

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Leser-Spendenaktion für Tannheim-Klinik: Nachsorge-Einrichtung braucht Hilfe im Corona-Jahr mehr denn je

SÜDKURIER- und Alb-Bote-Leser unterstützen wieder die Nachsorgeklinik Tannheim, gebraucht wird ein neues Kinderhaus. Die Corona-Epidemie hat tiefe Spuren hinterlassen. Geschäftsführer Roland Wehrle sagt: „Für uns ist 2020 das schwierigste Jahr seit der Eröffnung. Wirtschaftlich, aber vor allem emotional ist das wirklich der Wahnsinn.“

Tannheim Nachsorgeklinik: Gruppenfoto mit Spielzeugwerkzeug an der Stelle, an der das neue Kinderhaus gebaut werden soll

Großprojekt Kinderhaus: Wofür die Spenden verwendet werden

Zwei Millionen Euro wird das geplante neue Kinderhaus wohl kosten. Die Tannheim-Geschäftsführer Thomas Müller und Roland Wehrle sind sich einig – in der Summe, wie im Ziel. Die Klinik ist längst zu eng geworden, ein neues Kinderhaus ist geplant. Vor allem neue Gruppenräume soll das bringen, Platz für Therapien, Platz auch fürs Personal, für Besprechungen, ganz einfach für einen noch sinnvolleren Klinikbetrieb.

Hoffen auf die Leser-Hilfe: Die Tannheimer hoffen jetzt natürlich auf die neuerliche Hilfe der SÜDKURIER-Leser. Sie werben mit einem dicken Dankeschön. „Die SÜDKURIER-Leser haben entscheidend zur Entwicklung unseres Hauses beigetragen“, formulieren Roland Wehrle und Thomas Müller. Die beiden beobachten im Verbreitungsgebiet dieser Zeitung „ganz besondere Zuwendungen, auch das Jahr über ist das klar erkennbar“. Immer wieder profitiere das Haus gerade auch aus dieser Heimatregion von Nachlässen, aber auch von Sonderspenden wie im Sommer 2020.

Nachrüstung erforderlich: Die Nachsorgeklinik, die Therapien für die Krankheitsbilder Krebs, Mukoviszidose, schwere Herzprobleme und zusätzlich für verwaiste Familien anbietet, muss sich dauernd erneuen. Auflagen, Verschleiß, neue Erkenntnisse. Oder wie jetzt die Sache mit den Aerosolen im Corona-Jahr. Einige Diagnoseräume sind fensterlos, nun muss nachgerüstet werden. Raumluftfilteranlagen erfordern aber besondere Aufwendungen, 50.000 Euro für die Diagnostikräume und das medizinische Trainigszentrum. Das soll primär erledigt werden. Dann ist im Sommer 2021 der Spatenstich fürs Kinderhaus geplant. (tri)

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Es wird ERNST – jetzt benötigen wir jede Unterschrift!

In der Gemeinderatssitzung August 20 in Villingen-Schwenningen fielen zwei wichtige Aussagen der Bundeswehr, die unsere laufende Petition sehr wichtig macht:

  1. Oberstleutnant Lars Thiemann ging detailliert auf die Planungen ein – macht dabei aber gleich zu Beginn deutlich: Die Einbindung der Bevölkerung im Vorfeld sei nicht üblich – man habe sich nun aber dazu entschieden.
  2. Auf Nachfrage von Frank Bonath (FDP), muss Oberst Herfried Martens, aber ebenso eingestehen: eine politische Einflussnahme sei möglich, darüber könne man seine Belange einbringen.

Deshalb – jetzt zählt jede Stimme für unsere Petition! Bitte unterstützt unser Anliegen. Hier geht es zur Petition:

https://www.openpetition.de/petition/online/keine-panzer-in-der-naehe-der-nachsorgeklinik-tannheim?fbclid=IwAR3FmkMss6Xnjb7ekI0hc0WRQVuUwh2oRGZLYummk_G4vnNOJSQ5_K7HqMo

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6. November 2020

Standortübungsplatz der Bundeswehr bedroht Nachsorgeklinik Tannheim in ihrer Existenz

Bundeswehr Luftlininemessung

Auf Corona-Finanzsorgen folgt ein Standortübungsplatz – der Nachsorgeklinik Tannheim bleibt derzeit nichts erspart! Gerade drei Kilometer von der Klinik entfernt sind Schießanlagen für Panzerfäuste, Granatpistolen und Handgranaten sowie Anlagen für Waldkampfübungen geplant. Etwa 740 Fußballfelder groß soll ein neuer Standortübungsplatz werden, der die unter enormen Mühen realisierte Einrichtung für krebs-, herz- und mukoviszidosekranke Kinder massiv in ihrer Existenz bedroht. Und im Gegensatz zum SC Freiburg dürfte die Bundeswehr auf ihren „Fußballfeldern“ sogar nachts aktiv werden. Die Tannheim-Geschäftsführer Roland Wehrle und Thomas Müller, die Mitarbeiter und Patienten sind tief betroffen. „Ein Standortübungsplatz in der Nähe von Tannheim? Das ist der schiere Wahnsinn!“ So denkt nicht nur die Klinik-Geschäftsführung, sondern ebenso die Bevölkerung im Großraum Villingen-Schwenningen mit Tannheim und Brigachtal.

Die für den Heilungsprozess so wichtige Ruhe im Umfeld der Nachsorge­klinik werde durch das Vorhaben zerstört, sind sich die Geschäftsführer mit den Unterzeichnern einer Online-­Petition einig. Ziel der Petition ist es, Verteidigungsministerin Kramp-­Karrenbauer dazu zu bewegen, einen anderen Standort für den Übungsplatz durchzusetzen. Ihr liegt zudem ein Protestschreiben der Nachsorgeklinik Tannheim und der Deutschen Kinderkrebsnachsorge vor. ­Besonders pikant: Von den Plänen der Bundeswehr hat die Nachsorge­klinik im Juli des Jahres aus der Presse erfahren.

DAS ÜBUNGSGELÄNDE IST AUF „HÖCHSTER EBENE“ BEREITS GENEHMIGT

Mit dem in seinen Grundzügen ohne Beteiligung der Öffentlichkeit bereits genehmigten Übungsplatz, soll der Standort Donaueschingen gestärkt werden, so die Bundeswehr im Juli des Jahres vor dem Gemeinderat der Stadt Villingen-Schwenningen. Ein Oberst machte klar: Zwar müsse noch eine Prüfung auf Umweltverträglichkeit, zum Artenschutz und eine Lärmprognose erfolgen, doch sei die Entscheidung auf höchster politischer Ebene grundsätzlich getroffen. Es handele sich um eine Ausnahme, dass vorab die Öffentlichkeit informiert werde. Bemerkenswert ist weiter: Der Standortübungsplatz würde mitten im Naturschutzgroßprojekt Baar liegen, das die Bundesregierung mit sechs Millionen Euro gefördert hat.
Ein wenig Spekulation sei an dieser Stelle erlaubt: Die frühere Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat den wohl während ihrer Amtszeit auf den Weg gebrachte Standortübungsplatz even­tuell sogar bereits begutachten können: Sie reiste im August 2018 als Ehrengast zum Donau­eschinger Reitturnier und führte am Rand des Turniers Gespräche mit dem Haus Fürstenberg, dem CDU-Bundestags­abgeordneten Thorsten Frey und Donau­eschingens Oberbürgermeister Erik Pauly – über welche Themen ist nicht bekannt.

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Sparda-Welt mit Astrid Fünderich produzieren Beitrag zu 20 Jahre Nachsorgeklinik Tannheim

Am Jubiläum sah man viele Kameras auf dem Gelände der Nachsorgeklinik. Alle waren sehr gespannt, was da alles aufgeschnappt und kommentiert wurde. Vor wenigen Stunden kam nun das Ergebnis und alle wollten den Beitrag sofort sehen. Ein mehr als gelungener Filmbeitrag zum 20 jährigen Jubiläum. Was da alles auf die Beine gestellt wurde, kann man erst mit einen gewissen Abstand realisieren. An alle Beteiligen, auch vom Förderverein, nochmals ein herzliches Dankeschön. Es hat auch uns sehr gefallen und wird sicher eine bleibende Erinnerung sein..

 
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Nachsorgeklinik Tannheim

Modern und freundlich

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Die Nachsorgeklinik Tannheim steht für das von ihr maßgeblich begründete Konzept der familienorientierten Rehabilitation. Der Leitspruch lautet: „DER PATIENT HEISST FAMILIE“. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Klinik Tannheim deutschlandweit als eine erste Adresse der familienorientierten Nachsorge für Familien mit krebs-, herz- und mukoviszidosekranken Kindern etabliert.

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Die 1997 eröffnete Klinik verfügt über 152 Betten. Die Familien sind in modernen Appartements untergebracht, die über Bad/WC, Teeküche sowie Telefon/Notruf verfügen. Rund um die Uhr besteht ein Notdienst. Über lichtdurchflutete, freundliche Flurbereiche sind die Appartements mit dem Hauptgebäude verbunden.Tannheim-Klinik3

Die bauliche Ausgestaltung der Nachsorgeklinik sorgt für eine warme, fami­lienfreundliche und kommunikative Atmosphäre. Jugendlichen und jungen Erwachsenen steht ein eigener jugendgerechter Bereich zur Verfügung.
Die Nachsorgeklinik Tannheim beschäftigt über 150 Mitarbeiter und bietet zudem zahlreiche Ausbildungsplätze. Sie ist eine hervorragend ausgestattete Nachsorgeeinrichtung – ein Haus in dem man sich beschützt und wohl fühlt.