Am 12.08.2024 begann der Albtraum für Familie Richter Bismark. Von einer Minute auf die andere war Tochter Karline sterbenskrank – Krebs im Stadium 4 von 5 – der Kampf begann – hoch traumatisiert. Stück für Stück waren Medizin und Untersuchungen zu meistern. Aber mit der Zaubermedizin (Chemotherapie) und Zauberkraft erlebten sie ein Wunder. Schwester Charlottes 13. Geburtstag markiert das Ende des Krankenhausaufenthalts. Auf der Krankenstation wurde die „Glocke“ geläutet – ein Moment, der gleichzeitig Erlösung, Erleichterung und unendliche Dankbarkeit in sich getragen hat. Karline hat es mit ihrer eigenen Zauberkraft und Dank der Zaubermedizin geschafft mit nur 30-40prozentiger Überlebenswahrscheinlichkeit das Böse im Bauch zu besiegen. Eine wahre Kämpferin in einer schier aussichtslosen Situation. Mit dieser Vorgeschichte reiste Familie Richter Bismark in Tannheim an.



Charlottes Bericht (13 Jahre, älteste Schwester): „Als ich erfahren habe, dass ich therapeutische Reittherapie bekommen werde und zweimal in der Woche zu den Pferden kann, war meine Freude riesengroß. Vielleicht war ich deshalb so unglaublich aufgeregt – so richtig kribbelig vor Vorfreude. Und dann begann alles mit einem Auftakt, der sich wie ein Mädchentraum angefühlt hat: Ich durfte Leon, den Friesenwallach reiten, diesen großen, sanftmütigen Riesen. Gleichzeitig habe ich meine Reittherapeutin Marie kennengelernt, die mir von Anfang an GROßES zugetraut hat – im wahrsten Sinne. Sie hat mich frei reiten lassen. So glücklich war ich lange nicht mehr, und die Vorfreude auf die nächste Stunde wurde nur noch größer. Als ich gehört habe, dass man morgens beim Misten und beim Pferde-auf-die-Koppel-führen helfen kann, ist mein Herz noch höher gesprungen. Ab da war ich jeden Wochentag von sieben bis acht Uhr im Stall. Ich habe mit Arnold tolle Gespräche geführt, die ich sehr genossen habe, und ich habe jeden Tag mit dem besten Geruch der Erde begonnen. Ja, ich war oft müde, aber die Motivation, täglich bei den Pferden zu sein, war größer als alles andere.
Marie hat mit ihrer besonderen Art ein großes Vertrauensverhältnis zu mir aufgebaut. So groß, dass ich ihr alles erzählen konnte, was mich bedrückt. Es war eine Begegnung auf Augenhöhe – freundschaftlich, ganz nah und ehrlich. Dann kam eine ganz besondere Therapiestunde. Auf Riba durfte ich an Maries Seite durch den frisch verschneiten Schwarzwald reiten. Es war nicht nur mein erstes Mal im Schnee zu reiten, sondern auch seit einer Ewigkeit wieder ein richtiger Ausritt. Hierbei konnte ich Dinge aussprechen, die ich vorher nicht sprechen konnte. Dinge, die ich tief in mir verschlossen hatte. Am Ende unseres Aufenthalts habe ich gemerkt, wie viel sich in mir verändert hat. Wie viel stärker, klarer und freier ich geworden bin. Marie ist eine wunderbare Lehrerin – nicht nur im Reiten, sondern im Leben. Der Abschied von den Tieren, den Menschen im Stall und dieser morgendlichen Routine fällt mir unglaublich schwer. Aber ich glaube fest daran, dass ich zurückkommen werde. Und allein dieser Gedanke trägt mich weiter.“

Karlines Bericht (6 Jahre, jüngste Schwester, „Survivor“) „Als ich erfuhr, dass auch ich therapeutisches Reiten bei Marie bekomme, hatte ich ganz viel Vorfreude. Ich konnte es kaum erwarten, wieder zu den Pferden zu gehen. Wir haben so viele schöne Sachen gemacht. Ich durfte Pferde bemalen, und ich habe es geliebt, Parcours zu bauen. Der kleine Flipp ist mir besonders ans Herz gewachsen. Er ist am gleichen Tag im gleichen Jahr geboren wie meine große Schwester Charlotte, und er kann sogar Zirkustricks. Ich hatte überhaupt keine Angst, alleine in den Stall zu gehen, ohne Mama oder Papa. Es hat sich für mich einfach richtig angefühlt. Mit Marie konnte ich von Anfang an gut quatschen und auch Quatsch machen. Sie war immer lieb und hat mir zugehört. Besonders stolz bin ich darauf, dass ich in meiner letzten Therapiestunde den großen Friesen Leon bemalen durfte und seine Mähne mit bunten Tüchern dekorieren konnte. Dafür brauchte ich sogar eine Leiter, weil er so riesig ist. Danach bin ich wie eine Prinzessin geschwebt – sogar im Trab. Ganz toll fand ich es immer, wenn wir an der Schildigruppe vorbeigeritten sind und ich meinen Freunden und den lieben Erziehern winken konnte. Das hat mich jedes Mal glücklich gemacht. Jetzt vermisse ich alle sehr – die Pferde, Marie, Flipp, Pünktchen, Leon und den ganzen Stall.“
Sandras Bericht (40 Jahre, Mutter von 3 Töchtern): „Als Therapeutin Frau Wolf erfuhr, dass wir alle das Pferd.Gen in uns tragen, griff sie sofort zum Telefon. Sie rief Arnold an, um zu fragen, ob auch ich reiten dürfe. In diesem Moment hat sich die REHA, die sich ohnehin schon unwirklich angefühlt hatte, noch mehr wie ein Traum angefühlt. Die Vorstellung, wieder auf einem Pferd sitzen zu dürfen, hat in mir eine Aufregung ausgelöst, die ich kaum beschreiben kann. Ein lang ersehnter Mädchentraum ging für mich in Erfüllung. Ich durfte den wunderschönen, sanftmütigen Friesenwallach Leon reiten. Der Kontakt zu Marie und Kristin war von Anfang an so herzlich, dass man die beiden sofort ins Herz schließen musste. Sie haben mir meine Zweifel genommen und mir eine Zuversicht geschenkt, die ich lange nicht mehr gespürt hatte. Die Konzentration beim Reiten, dieses Einswerden mit dem Pferd, hat keinen Raum gelassen für Ängste oder Sorgen. Die Zeit im Stall hat mein Grübeln nicht nur pausiert – sie hat es sanft zur Seite geschoben. Ich bin jedes Mal mit einem tiefen, klaren Seelenfrieden aus dem Stall gegangen, als hätte ich für einen Moment wieder zu mir selbst gefunden. Mein Highlight kam am letzten REHA-Tag: ein Ausritt auf Riba durch den wunderschönen Schwarzwald, eingehüllt in warmes Frühlingslicht. Kristin ritt auf Leon, eine befreundete Mama auf Nico. Dieser Ausritt fühlte sich an wie ein Geschenk – ein Moment, der alles zusammenfasste: Heilung, Vertrauen, Loslassen, Dankbarkeit. Ein Abschied, der gleichzeitig schmerzte und erfüllte. Unglaublich, unfassbar schön und getragen von dem Gefühl, dass wir etwas Kostbares mitnehmen, das bleibt, auch wenn der Abschied unwahrscheinlich schwer fiel.
Zu einem familiären Bericht zur Reittherapie können wir nichts ergänzendes beitragen. Nur so viel: Wir sind sehr stolz auf unser Team der Reittherapie.














